Franz Alt: Ein Querdenker auf der Sonnenseite

Betrachtungen zum Geburtstag eines TV-Urgesteins

17.07.2014/SWR/JÜ/BADEN-BADEN:
Geboren im badischen Untergrombach bei Bruchsal, studierte er in Freiburg und Heidelberg, promovierte (Thema: Konrad Adenauer) und wurde zum streitbaren und manchmal auch umstrittenen Moderator und Buchautor: Franz Alt. Heute (am 17.Juli) wird er, der in Baden-Baden lebt, 76 Jahre alt. Betrachtungen von Gerd Jüttner.

Franz Alt arbeitete vor allem für den Südwestrundfunk und moderierte 20 Jahre lang das Politikmagazin „Report“. Aus der CDU ist er 1988, angesichts von Tschernobyl, ausgetreten. Er kritisierte die „mangelnde ökologische Sensibilität seiner Partei.“ Schon Jahre früher schrieb der bekennende Katholik und Mitglied von Pax Christi im Spiegel: „Das Verhältnis der CDU zum Christentum ist so platonisch wie das der SPD zum Sozialismus.“

Wegen diverser Fernsehbeiträge, u.a. über den Tod von somalischen Flüchtlingskindern und seine Spendenaufrufe, wurde Alt auch schon mal als „Kampagnen-Journalist“ tituliert. Seine Themen waren: Terroristenhysterie, Überwachungsstaat Deutschland, Machenschaften der Pharmaindustrie“. In dieser Zeit wurde Helmut Kohl in den Zeitungen mit den Worten zitiert: “Linken Journalisten muss man die Giftzähne ziehen“.

Als Alts Buch „Frieden ist möglich“ erschien und er am 22. März 1983 in einer Report-Sendung Szenen des Gandhi-Films mit Aufnahmen aus Deutschland zusammen geschnitten hat, um das Thema Ziviler Ungehorsam zu visualisieren, kommt es zum Eklat, wochenlang Thema in allen Medien. Der SWF-Fernsehausschuss stufte den Beitrag als nicht sendefähig ein. Intendant Willibald Hilf rügte seinen Moderator Alt, der auch als Redner seine Gegnerschaft zur Stationierung von Atomwaffen immer wieder verkündete. Es folgte eine juristische Schlacht mit Themen wie „Verletzung der Loyalitätspflicht“, Gütetermine und fristloser Änderungskündigung. Und viele wollen i Franz Alt seine „missionarische Kanzeltätigkeit“ austreiben. CSU Generalsekretär Edmund Stoiber tobte, Alt habe sich zum „Sprachrohr für Aufrufe zur Gesetzesverletzungen gemacht: Das kann so nicht weitergehen.“

Es geht aber weiter. Am 9.Juni 1987 dann eine Report-Abmoderation von Franz Alt, die in die Fernsehgeschichte eingegangen ist: „Auf Wiedersehen in fünf Wochen, wenn es uns dann noch gibt“.

Es gab ihn noch weiter bis zum 17. Dezember 1991 als die Report-Moderation von Jochen Waldmann übernommen wurde. Franz Alt übernahm in 3sat die Monatsendung „Querdenker“ und das Magazin „Grenzenlos“. Als er sich 2003 vom Fernsehschirm verabschiedete, nannte ihn die Stuttgarter Zeitung „einen Missionar des neuen Denkens, das nicht nur ins Politische, sondern auch ins Theologische ausgriff.“

Der Journalist der Fernsehgeschichte geschrieben hat, und Preise wie Briefmarken sammelte (Bambi, Adolf-Grimme, Goldene Kamera, Menschenrechtspreis „Award 20032, Umweltpreis der Deutschen Wirtschaft, Deutsche Solarpreis für Publizistik u.a.) ist als Redner, Publizist und Gastkommentator weiter im gepflegten Unruhestand aktiv.

Seine Bücher haben die Auflage von zwei Millionen überschritten. Themen wie: „Der ökologische Jesus; Krieg um Öl; Frieden durch die Sonne; Zukunft Erde und Deutschland ist erneuerbar, zeigen seinen Einstieg in die „solare Weltrevolution“, wie Alt es bezeichnet. Im Internet (www.sonnenseite.com) gibt der begeisterte „Fast-Profi-Hobby-Zauberer“ einen Überblick über erneuerbare Energien und Klimapolitik. Streitbar und Querdenkend wie früher, ein unermüdlicher Kämpfer, der sich regelmäßig mit dem Dalai Lama trifft. Nach der Nuklearkatastrophe in Fukushima erhält Franz Alt eine Einladung zum Vieraugengespräch mit Angela Merkel ins Kanzleramt. Die Zeiten haben sich nicht nur in der Medienlandschaft geändert.

Gerd Jüttner