Bares für Gleiches

18.03.2017/VRFF/AH/Berlin: „Wie groß ist der Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern eigentlich wirklich?“ – das war die Frage bei der Hauptversammlung der dbb Frauen. Anlass für die Klärung des Problems ist der 18. März, der laut der Initiative ´Equal Pay Day´ der Tag ist, an dem Frauen das Jahreseinkommen erzielt haben, was Männer schon am 31. Dezember des Vorjahres auf dem Konto hatten.

Der Unterschied demnach 21%. – der sogenannte `Gender Pay Gap`.

Die überraschende Antwort hörten 51 erstaunte Frauen aus allen Mitgliedsverbänden des dbb bei der Hauptversammlung der dbb bundesfrauenvertretung vom 10.-11. März in Königswinter Thomasberg.

„Wir wollten mal wissen, was für ein Unterschied sich so über den gesamten Lebensverlauf zwischen Männer und Frauen aufbaut“ betonte Astrid Hollmann, die zusammen mit Ulrike Bosler die VRFF bei der HV vertritt und auch in der Geschäftsführung der dbb bundesfrauenvertretung sitzt. „ In den Pay Gap fließen viele Faktoren ein, also auch familienbedingte Auszeiten und die Tatsache, dass Frauen häufiger in schlechter bezahlten Berufen arbeiten“. Im direkten Vergleich und ohne alles diese Einflüsse liegt der Unterschied im Jahresdurchschnitt „nur“ noch bei 8%. Auf das ganze Leben betrachtet, muss man sich aber für Deutschland erschrecken, so Hollmann.

Equal Pay Day

Frauen sammeln über das ganze Erwerbsleben hinweg eine Differenz im Einkommen von durchschnittlich 49,8 % an. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie, die diesen sogenannten Gender Lifetime Earnings Gap untersucht. Der Gender Pay Gap sei nur eine Momentaufnahme der Verdienstunterschiede und stelle nur eine Komponente der Ungleichheit im Verdienst dar, verdeutlichte Dr. Christina Boll, Forschungsdirektorin am Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI), die Bedeutung ihrer Forschungsergebnisse. Sich allein auf diese zu fokussieren hieße, die Ungleichheit, die sich über das gesamte Erwerbsleben ergebe, zu unterschätzen. Sie hatte die Studie im Rahmen der Sitzung der Hauptversammlung am 10. März 2017 vorgestellt.

Am Ende des Berufslebens zeigt sich ganz bar, wie gerecht wir mit Frauen und Männern in Deutschland umgehen. Für die VRFF-Frauen und -Männer ist Gleichberechtigung nicht nur eine Theorie, sondern die echte Chance für ein gleichwertiges Leben für alle in jedem Lebensalter, betonte Hollmann am Rande der Tagung. In den Medienberufen weichen Frauen häufig in eine freie Tätigkeit aus, um Beruf und Familie zu vereinbaren. Die Vergleichbarkeit insbesondere für Freischaffende sei dabei nahezu unmöglich. „Wir setzen große Hoffnung in das Gesetz zur Lohngerechtigkeit, das aber nur funktionieren wird, wenn auch Sanktionen eingebaut werden“, bekräftigte Hollmann erneut.

Hier geht’s zur Studie „Dauerhaft ungleich. Berufsspezifische Lebenserwerbseinkommen von Frauen und Männern in Deutschland“