dbb bundesfrauenvertretung zum 8. Familienbericht der Bundesregierung: Arbeitszeitressourcen sind besser auf Familienleben abzustimmen

Die dbb bundesfrauenvertretung unterstützt die Forderung des 8. Familienberichts der Bundesregierung nach einer systematischen Entwicklung einer Familienzeitpolitik. „Neben der eigenen Gesundheit und einem zukunftssicheren Einkommen ist Zeit das wichtigste Gut, das einer Familie zur Verfügung steht. Denn nur wer neben der Erwerbstätigkeit genügend Freiraum hat, um ein Familienleben auszugestalten, wird diese verantwortungsvolle Aufgabe auch ausfüllen wollen und können“, sagte Helene Wildfeuer, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung, am 7. November 2011. Dies erfordere jedoch ein enges Zusammenspiel der einzelnen Politikfelder, allem voran aber zwischen den Arbeitgebern und deren Beschäftigten. „Nur dort wo auf die zeitlichen Anforderungen von Eltern Rücksicht genommen wird, können auch Familienwünsche gefördert werden. Das heißt, Arbeitszeitressourcen müssen besser auf das Familienleben abgestimmt und stärker in Tarifverträgen und im Dienstrecht festgeschrieben werden“, betonte die Vorsitzende.

Gleichzeitig verwies Helene Wildfeuer auf augenscheinliche Defizite des Berichts, der zeitpolitische Effekte des Steuerrechts unberücksichtigt lasse. „Dem Bericht zufolge wünschen sich viele Mütter, die in Teilzeit arbeiten, ihre Arbeitszeit auszudehnen. Väter hingegen wollen die Zeit am Arbeitsplatz gern reduzieren. Ein Hinderungsgrund dafür liegt auch im Ehegattensplitting begründet. Denn berufstätige Frauen, deren Ehegatten ein höheres Einkommen erwirtschaften, verringern bei einer Steigerung der Arbeitszeit den Splittingeffekt, was sie wiederum daran hindert, sich den Wunsch nach mehr Arbeitsstunden und einer damit besser bezahlten Beschäftigung zu erfüllen,“ gab Helene Wildfeuer zu bedenken.

Mit Blick auf den öffentlichen Dienst forderte Helene Wildfeuer den Ausbau von flexiblen Telearbeitsplätzen, die Gestaltung individueller Arbeitszeitmodelle sowie eine stärkere Unterstützung der Beschäftigten bei der Organisation der Kinderbetreuung und der Pflege von Angehörigen. Zwar seien – vor allem im Bundesdienst – bereits viele Behörden hinsichtlich familienfreundlicher Arbeitszeitgestaltung gut aufgestellt. Jedoch mangele es auch hier häufig noch an einer langfristigen Per- sonalplanung. „Dies setzt eine offene Gesprächskultur und größeres Vertrauen insbesondere in die Leistung weiblicher Beschäftigter voraus. Regelmäßige Mit- arbeitergespräche sollten deshalb auch im öffentlichen Dienst als verbindliches Personalentwicklungsinstrument eingesetzt werden und eine familienfreundliche Arbeitsorganisation in die Leistungsbewertung von Führungskräften einfließen“, so die Vorsitzende.

Birgit Ulrich
Pressereferentin