dbb Vize und VRFF-Bundesgenderbeauftragte Astrid Hollmann: Gleichstellung ist gesamtgesellschaftliche Aufgabe

16.10.2012/vrff/ABR/Köln: „Deutschland hat in Sachen Geschlechtergerechtigkeit noch einen weiten Weg vor sich.“ Diese Zwischenbilanz zog die stellvertretende dbb Bundesvorsitzende und VRFF-Bundesgenderbeauftragte Astrid Hollmann heute anlässlich der Anhörung des Bundestagsausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zum ersten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung. „Wir haben kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem“, stellte Hollmann vor dem Gremium in Berlin klar: „Neben das Bewusstsein, dass Gleichstellung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu begreifen ist, muss eine ganz konkrete Rechtslage treten. Der Staat muss dafür Sorge tragen, dass strukturelle Verkrustungen aufgebrochen und Rollenstereotype abgebaut werden.

Es sei nicht hinnehmbar, so die dbb Vize, dass die Politik bei unzähligen Fragen in Form von Regeln und Gesetzen eine Steuerungsfunktion übernehme, in einer so eminenten Frage der sozialen Gerechtigkeit wie der Gleichstellung jedoch bislang kaum Verantwortung übernehme. „Die Teilhabechancen sind in unserer Gesellschaft immer noch ungleich verteilt. In keinem anderen Land in Europa sind die beruflichen Entwicklungschancen noch so sehr von der sozialen Herkunft bestimmt – und vom Geschlecht.“ Nur, wo es zielgruppengerechte Angebote und Möglichkeiten gebe, breche diese Rollenverteilung auf, unterstrich Hollmann und verwies auf den öffentlichen Dienst mit seinem Regelwerk zur Gleichstellung. Dieses sei „zwar noch kein perfektes, aber durchaus ein geeignetes Vorbild“. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels „ist die zügige faktische Herstellung der Geschlechtergerechtigkeit sowohl volkswirtschaftlich als auch gesellschaftspolitisch ohne jede Alternative“, betonte die dbb Vize vor dem Ausschuss abschließend.

Helene Wildfeuer, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung, forderte anlässlich der Anhörung konkret mit Blick auf den öffentlichen Dienst, auch indirekte Benachteiligungen anzugehen: „Die nach wie vor bestehende Entgeltungleichheit zwischen Männern und Frauen ist zu bekämpfen, indirekte Diskriminierungen in den Bezahlsystemen müssen beseitigt werden.“ Dazu sollten die Einkommen gleichmäßiger unter den Geschlechtern verteilt werden, so Wildfeuer: „Zum einen, indem wir mehr Frauen in Führungspositionen bringen, zum anderen, indem wir Berufe, in denen überwiegend Frauen tätig sind, aufwerten.“