Engagement aus eigener Verantwortung

Unter dem Motto „Aktives Alter – Freiheit oder Verpflichtung?“ diskutierten am Dienstag dieser Woche im Berliner Sony-Center die BAGSO-Vorsitzende und Alternswissenschaftlerin Prof. Dr. Ursula Lehr, der ehemalige SPD-Parteivor- sitzende Franz Müntefering und der FDP-Abgeordnete Florian Bernscheider mit- einander.

In der gut besuchten Gesprächsrunde, die von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) und der Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros (BaS) im Rahmen des aktuellen Europäischen Jahres der Frei- willigentätigkeit durchgeführt wurde, waren sich die Gesprächspartner weitgehend einig, dass es keine staatliche Verpflichtung älterer Menschen zum Engagement geben darf.

Ursula Lehr stellte klar: „Die Lebensqualität im Alter ist eng verbunden mit dem Gefühl, gebraucht zu werden – aber nicht verpflichtet oder benutzt. Freiwilliges Engagement und Verpflichtung, das passt nicht zusammen, was jedoch nicht bedeutet, dass ältere Menschen ihr Ehrenamt nicht sehr ernst nehmen.“

Franz Müntefering betonte die Eigenverantwortung des Einzelnen „Der Sozial- staat ist unentbehrlich, aber die Soziale Gesellschaft vor Ort auch – die Bereit- schaft, Verantwortung zu tragen für mich und für andere.“

Florian Bernschneider, der jüngste Abgeordnete des Deutschen Bundestages, ergänzte: „Wir brauchen passgenaue Engagementangebote, die den Interessen der Jüngeren und Älteren gerecht werden. Aber wir sollten dabei nicht die Chance aus den Augen verlieren, gerade mit dem Bürgerschaftlichen Engagement und den Freiwilligendiensten Brücken zwischen den Generationen zu bauen. Der Bundesfreiwilligendienst bietet für dieses intergenerative Engagement große Chancen.“

Das Engagement älterer Menschen in ihrer Nachbarschaft, ihrer Kirchengemein- de, ihrem Stadtviertel, in Vereinen und Verbänden ist groß, und nach den jüngst- en Untersuchungen zum freiwilligen Engagement in Deutschland ist es in den letzten Jahren sogar noch gestiegen. Darüber hinaus sind viele Ältere durchaus bereit sich freiwillig einzubringen, möchten aber selbst entscheiden, für was und in welchem Umfang sie dies tun. Darauf müssen sich auch die Verbände und Vereine einstellen und flexible Angebote schaffen. Der neu eingerichtet Bundes- freiwilligendienst ist nach Ansicht der Veranstalter der Diskussionsrunde – zu- mindest zurzeit – ein zu starres Instrument, um für viele aktive Ältere attraktiv zu sein.

Die BAGSO – Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen e.V. – ist die Lobby der älteren Menschen in Deutschland. Unter ihrem Dach haben sich über 100 Verbände mit etwa 13 Millionen älteren Menschen zusammenge- schlossen. Sie vertritt deren Interessen gegenüber Politik, Wirtschaft und Ge- sellschaft, wobei sie die nachfolgenden Generationen immer im Blick hat. Da- rüber hinaus zeigt sie durch ihre Publikationen und Veranstaltungen Wege für ein möglichst gesundes und kompetentes Altern auf.

Die BaS – Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros e.V.- ist ein Zusammen- schluss der Träger von Seniorenbüros. Sie fördert das freiwillige Engagement älterer Menschen. Seniorenbüros sind Informations-, Beratungs- und Vermitt- lungsstellen für freiwilliges Engagement in der nachberuflichen und nachfamiliären Lebensphase. Derzeit gibt es mehr als 280 Seniorenbüros bundesweit.

Quelle: BAGSO-Pressemitteilung 14/2011