Gemeinsame Erklärung des Deutschen Frauenrates, der Business Professional Women Deutschland, des Deutschen Journalistinnenbundes, des Verbandes der medizinischen Fachberufe, des Deutschen Akademikerinnenbundes und des Deutschen Gewerkschaftsbundes:

Die derzeitige Frauengeneration im erwerbsfähigen Alter ist die bisher am besten ausgebildete aller Zeiten. Sowohl die private Wirtschaft als auch der öffentliche Dienst betonen, dass sie auf diese hoch- und höchstqualifizierten Kräfte nicht mehr verzichten können. Es ist daher Zeit, dass sich diese Entwicklung auch beim Entgelt widerspiegelt.
Die Diskriminierung von Frauen im Arbeitsleben, insbesondere die geringe Wert- schätzung weiblicher Arbeit ist ein Skandal, der sich nicht durch Sonntagsreden lösen lässt. Vielfältige Handlungsstrategien, möglichst abgestimmt, sind das Ge- bot der Stunde.

So wie in der Familienpolitik seit einiger Zeit erkennbar, bedarf es auch in der Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt einer engagierten Politik aller Beteiligten. Bessere öffentliche Kinderbetreuung führt nicht automatisch zu einer besseren Bezahlung von Frauen. Was wir brauchen, ist ein Dreiklang aus Entgeltgleichheit, Karrierechancen und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Dabei sind alle ge- sellschaftlichen Kräfte gefordert zu handeln.

Zum Internationalen Frauentag am 8. März 2008 starten der DGB und seine Mit- gliedsgewerkschaften eine Aktionsserie unter dem zentralen Motto „Ich bin mehr wert“, deren Ziel es ist, die Entgeltunterschiede zwischen Männern und Frauen endlich konsequent zu reduzieren. Viele weitere Verbände haben bereits ihre Unterstützung zugesagt, darunter die Business and Professional Women (BPW) Germany. Das größte deutsche branchenübergreifende Berufsnetzwerk für Frau- en startete im vergangenen Jahr mit der „Initiative Rote Tasche“ eine Dialogkam- pagne zu Entgeltgleichheit und zeichnet auch für die Einführung des internatio- nalen Aktionstages „Equal Pay Day“ in Deutschland am 15. April dieses Jahres verantwortlich.

Vielfältige Faktoren bewirken diese Entgeltunterschiede. Insbesondere die Be- rufswahl, die geringe gesellschaftliche Anerkennung weiblicher Arbeit als auch die kaum veränderte ungleiche Verteilung von bezahlter Arbeit und unbezahlter Fürsorge- und Hausarbeit behindern die Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt.

Das notwendige Engagement der Tarifpartner auf diesem Feld kann in vielfältiger Weise gesellschaftspolitisch unterstützt werden. Dies gilt insbesondere in Be- reichen der Niedriglöhne und in Branchen, in denen Tarifverträge und Betriebs- rätInnen Seltenheitswert haben. Die Stärkung tarifvertraglicher Regelungen aber ist ein entscheidender Bestandteil einer erfolgreichen Strategie. Dazu gehört u. a. aber auch mehr Aufklärungsarbeit, ein verbessertes Verbandsklagerecht im Allge- meinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) sowie die Überwindung antiquierter Rollenbilder.

„Der Internationale Frauentag hat auch heute noch seine Berechtigung“, betonte Michael Müller, der Landes- und Fraktionsvorsitzende der Berliner SPD in einem Interview mit der BERLINER STIMME. Der 8. März bleibe ein wichtiges politisch- es Datum. Es gehe zwar nicht mehr um Fragen wie das Frauenwahlrecht, aber eine wirkliche Gleichberechtigung im Alltag sei noch nicht erreicht, so Michael Müller. Eines der wichtigsten Themen heute sei die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Er sei davon überzeugt, dass sich in kaum einem anderen Bundesland Familie und Beruf so gut vereinen lassen wie in Berlin, erklärte Michael Müller. Er rief die Berlinerinnen auf, aktiv in der Politik mitzureden und mitzugestalten.