Harald Schmidt – Letzte Sendung

04.03.2014/SWR/GJÜ/Stuttgart:

 Harald_Schmidt
In diesen Tagen hört er mal wieder auf: Harald Schmidt. Er verschwindet genau am 13. März 2014 hinter den Wolken des Bezahlsenders Sky vom Bildschirm. Sang – und klanglos, nur ein paar Kunden, die ansonsten Fußball und Spielfilme sehen wollen, werden es am Rande registrieren. Für ihn ist dieser TV-Abschied „Okay“.
In Neu-Ulm geboren, in Nürtingen aufgewachsen, dann Schauspielstudium in Stuttgart und Kabarettist im Düsseldorfer Kommödchen. Dann „MAZ-Ab“ und „Schmidteinander“ in der ARD, später „Verstehen Sie Spaß?“ Er schon, die Zuschauer damals (1992-1995) am Ende nicht mehr so ganz. Dann Sat1 mit „Late-Night-Show“, Schauspiel in Bochum, zurück zur ARD: „Schmidt und Pocher“. Von der ARD wieder zu Sat1: ein Bildschirmgetriebener. Manche Spötter nannten ihn den Show-Prostituierten, der für Geld alles macht. Wechsel zu Sky und jetzt wieder mal ein TV-Ende. Er wird, so meinen manche Insider, wieder kommen, irgendwo und irgendwie: wie ein Gottschalk bei RTL.
Sein Berufswunsch war mal Priester, er wurde aber Fernsehprediger. Immer für viel diskutierte Sprüche gut, die manche Schweißausbrüche bei den TV-Verantwortlichen hervorgerufen haben. „Deutsche Männer weinen im Schnitt alle zwei Jahre, das heißt jedes Mal nach dem Sex“. „Die Zauberflöte ist von Mozart und nicht von Beate Uhse“. „Siebzig Prozent der Deutschen wollen gute Nachbarschaft, die anderen 30 Prozent wohnen an der Grenze zu Holland oder Polen“. Solche Sprüche sorgten für medialen Aufschrei. Harald Schmidt polarisierte: „Bosheit pur: scheinbar unangreifbar Ehrenwertes lächerlich machen (STZ, 1991)“. Atemberaubende Eloquenz wird ihm attestiert, dem „Liebling des Feuilletons“ (Die Zeit, 2006).

Mit Preisen wurde er überhäuft: u.a. Salzburger Stier, drei Mal den Adolf-Grimme Preis, Bambi, Goldene Kamera, Bayerischer Fernsehpreis Deutscher Fernsehpreis und den Hans-Bausch-Mediapreis vom SWR (2003). Der SWR-Intendant würdigte Schmidts Verdienste für die Fernsehunterhaltung und meinte, der Entertainer habe immer die Grenze der Humorfähigkeit ausgereizt, aber nicht überreizt. Und jetzt ist der „Geist endlich ausgetrieben“, so die FAZ über Schmidts Fernseh-Verbannung. „Wir mögen es gerne flach und harmonisch. Ein intellektueller Fernsehkämpfer wie er stört dabei nur.“