Herbsttreffen der Medienfrauen 2018 im Bayerischen Rundfunk

07.11.2018/VRFF/AS/Mainz: Die 41. Tagung formulierte den Anspruch „The Sky is not the Limit“. Inspiration Intuition Innovation.

Nach oben ist Frauen keine Grenze gesetzt, erklärte Sandra David, Gastgeberin und Gleichstellungsbeauftragte des BR, zum Auftakt das Motto, und bezeichnete Inspiration – den Geistesblitz – Intuition – das Vertrauen – und Innovation – die Treiberin des Fortschritts – als die elementaren Grundlagen, um Leben, Karriere und Gesellschaft aktiv gestalten zu können. „Laptop und Lederhose war gestern – die Zukunft heißt Dirndl und Digitalisierung!“ gab sie den Teilnehmerinnen mit auf den Weg.

Fragen zur Digitalisierung zogen sich durch viele Veranstaltungen des dreitägigen Treffens, in der Theorie wie in der Praxis. In zahlreichen Workshops rund um das Thema hatten die Teilnehmerinnen die Möglichkeit sich fit zu machen für Beruf und Leben im digitalen Zeitalter.

Der Hörfunkdirektor des Bayerischen Rundfunks und Vorsitzende der ARD-Hörfunkkommission, Martin Wagner zitierte Günther Grass mit „Der Fortschritt ist eine Schnecke“ und drückte seine Hoffnung aus, dass dem nicht so sei und dass Weiblichkeit nicht mehr als Mangel wahrgenommen wird. Dazu muss man einen Weg einschlagen auf dem Wort und Tat mit einander verschlungen sind. Er sieht es wie die Thrillerautorin Daniela Arnold, man kann die Situation der Frauen nicht umgestalten, ohne auch für die Männer etwas zu ändern.

Die Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, Kerstin Schreyer empfahl am Ende ihrer Ansprache, bei sich zu bleiben und Frausein für das bessere Los im Leben zu erachten und Kampfsituationen auszuhalten. Sie äußerte den Wunsch: „Bleiben Sie so weiblich wie Sie sind. Haben sie eine wenig mehr Mut. Sie schaffen das.“

Mut war auch eines der herausragenden Themen der Key Note Speakerin Sabine Asgodom, die auch Speed-Coaching mit Ihrem Team während der Veranstaltung anbot.

Das Thema Digitalisierung bewegte die Medienfrauen in mehreren Diskussionsrunden: Expertinnen wie Prof. Birgit Spanner-Ulmer, Produktions- und Technikdirektorin des BR, Autorin und Start-Up-Gründerin Yvonne Hofstetter und IT-Unternehmerin Stefanie Stalf kamen zu Wort, sowie Dr. Alexandra Borchardt, Autorin und Dozentin für Journalismus, und die Publizistin und Wirtschaftsethikerin Dr. Monique R. Siegel. Sie kamen zu folgenden Kernaussagen:

• Die Digitalisierung kann den Menschen nicht ersetzen. Sie bietet aber die Chance durch Technik entlastet zu werden.

• Die Politik hat den Handlungsbedarf in Sachen Digitalisierung noch nicht erkannt.

• Digitalisierung ist eine menschliche Kulturleistung und entwickelt sich zum „Riesencomputer Menschheit“.

• Digitalisierung und Politik sind zwei unterschiedliche Ökosysteme.

• Der Mensch muss im Blick und die Herrschaft über die Technik behalten werden.

• Es ist dringend notwendig, abstraktes Denken zu fördern in Gestalt einer deutschen Reformpädagogik auf der digitalen Ebene.

Die Frauen auf dem Podium haben jede auf ihre eigene Weise einen Appell an das Auditorium gerichtet Berührungsängste abzubauen und eine Öffnung hin zur Technik angeregt. „Man muss nicht alles selbst können, ich kann mich aber hineindenken und verstehen.“

Ein Jahr nach der Veröffentlichung der von Maria Furtwängler initiierten Studie „Audiovisuelle Diversität? Geschlechterdarstellungen in Film und Fernsehen in Deutschland“ von Prof. Dr. Elizabeth Prommer, Dr. Christine Linke von der Universität Rostock und der Weltweiten #metoo- Debatte berichten die Gleichstellungsstellungsbeauftragten von ARD, ZDF und ORF über die Aktivitäten in ihren Häusern. Es ist tatsächlich einiges in Bewegung gekommen, hier mehr – dort weniger. Aus dem Auditorium kam die Rückmeldung, dass es noch lange keinen Grund gibt, sich zurückzulehnen. Papier ist geduldig und neue (Macht-) Strukturen müssen immer wieder eingefordert, kommuniziert, geübt und gepflegt werden.

Das ZDF erhielt zum zweiten Mal in Folge den Negativpreis „Saure Gurke“. Nach einem Interview von Claus Klever mit Maria Furtwängler im Zusammenhang mit der audiovisuellen Studie 2017 geht die Auszeichnung nun in die ZDF-Sportredaktion für ihre sexistische Fragestellung in einem Interview mit Angelique Kerber nach ihrem Wimbledon-Sieg im Juli 2018. Ein Faux-pas für den sich Martin Wolff per Videobotschaft direkt entschuldigte.

Es gibt noch immer viel zu tun und das nächste Herbsttreffen der Medienfrauen in Frankfurt im Hessischen Rundfunk wird garantiert wieder viele Gäste begrüßen dürfen.

Ziel der Herbsttreffen ist und bleibt seit über vier Jahrzehnten das Thema Gleichstellung der Frau in den öffentlich-rechtlichen Medien.

Foto: Christina Ennemoser