Bundesgendervertretung

Mut zum Deutschland von heute

24.07.2017/VRFF/AH/Berlin:

„Im deutschen Fernsehen gibt es offenbar viel mehr Männer als in der deutschen Realität. Die Medien zeichnen so ein Bild eines Deutschlands von gestern. Das spricht nicht für die Medien als gute Meinungsbildner – das aber ist ihr Job“ kommentiert Astrid Hollmann, Bundesgenderbeauftragte der VRFF Die Mediengewerkschaft die erste senderübergreifende Studie „Audiovisuelle Diversität: Geschlechterdarstellungen in Film und Fernsehen in Deutschland“ der Uni Rostock.
Männer werden demnach im deutschen Film und Fernsehen doppelt so oft in Hauptrollen besetzt wie Frauen. Wenn Frauen vorkommen, dann hauptsächlich als junge Frauen unter 30. Im Kinderprogramm ist nur eine von vier Hauptfiguren weiblich. Bis in das Kinderfernsehen hinein also zeigen sich ungleiche Geschlechterverhältnisse und Stereotype. „Dabei sei es von großer Bedeutung für die spätere Berufswahl, welche Rollenvorbilder jungen Menschen in den Medien vorgestellt würden“, betont Hollmann.
Für die Studie wurde das gesamte fiktionale und non-fiktionale Programm von 21 Sendern, u.a. von ARD, ZDF, RTL und ProSieben untersucht. „Die Bedienung von Rollenklischees kann ein Publikum, das vielfältig ist, eigentlich nicht gefallen“, stellt Hollmann fest und lobt die wichtige Arbeit der Initiatorin der Studie „Pro Quote Regie“
Die Initiative hat sich 2014 gegründet, um für mehr Geschlechtergerechtigkeit in der Filmbranche zu sorgen. Hinter dem Verein stehen 500 Regisseurinnen und über 1000 weitere namhafte Unterstützende. Mit diversen Studien begegnet die Initiative den gefühlten Realitäten und hat damit umfangreiche zur tatsächlichen Faktenlage beigetragen.
„Viele sollen einschalten, alle Gebühren zahlen, wenige sehen sich wirklich repräsentiert“ bemängelt Margrét Rún, Gründungsmitglied von Pro Quote Regie.
Dem schließt sich Hollmann an: „Auch die VRFF hat auf ihrem letzten Gewerkschaftstag einen Antrag für mehr Geschlechtergerechtigkeit beschlossen und wird sich mit diesem auch an den Dachverband dbb wenden.“ Dieser ist als gesellschaftliche Gruppe in den Aufsichtsgremien des Öffentlich rechtlichen Rundfunks vertreten. Die Bundesgenderbeauftragte der VRFF setzt die Gremienmitglieder des dbb über die Ergebnisse der Studie in Kenntnis. Die Aufsichtsgremien sind ein guter Ort, um auf das berechtigte Anliegen der Sichtbarkeit von Frauen hinzuweisen. Für die Medien bedeutet das, den Mut zu haben, das Leben von Frauen in Deutschland so abzubilden, wie es ist und nicht wie vor 40 Jahren. „Das sollte,“ so Hollmann, „eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.“
Studie Uni Rostock
Studie Malisa Stiftung
proquote-regie
spiegel.de – Claus Kleber und Maria Furtwängler über Feminismus
spiegel.de – Geschlechterrollen im TV – eigentlich alles wie 1975

Quelle der nachfolgenden Bilder: Studie der Uni Rostock

Grafik 1 zu Geschlechterstudie

Grafik 2 zu Geschlechterstudie

Grafik 3 Kinderfernsehen