Tarifverhandlungen bei der DW:„Ich bin mehr wert als 1%“

Aktive Mittagspausen und Warnstreiks in Bonn und Berlin

11.09.2020/DW/TGB-CE/Bonn: Trotz Corona-Pandemie haben sich am 3. September 2020 über 60 KollegInnen der DW am Standort Bonn zu einer aktiven Mittagspause versammelt, um gegen die gescheiterten Tarifverhandlungen zu protestieren. Selbstverständlich unter Einhaltung der aktuellen Versammlungsregeln und unter dem Motto „Ich bin mehr wert als 1 %“ wurde auf das völlig unzureichende Tarifangebot der DW von gerade einmal 1 % für Gehälter und Honorare in den Jahren 2020-2022 hingewiesen.

„Es ist erfreulich, dass so viele KollegInnen dabei waren“ so VRFF-Betriebsgruppenvorsitzende Jutta Schumacher „und das trotz Corona und Home Office. Das Tarifangebot der DW empfinden viele MitarbeiterInnen als Affront, zumal da wegen der Corona-Krise die Arbeitsbelastung in vielen Bereichen erheblich zugenommen hat. Die Wertschätzung für das, was hier geleistet wurde und weiterhin wird, bleibt bei dieser Lohnsteigerung seitens der Geschäftsleitung völlig aus. Das lassen wir uns nicht gefallen.“

Christoph Eich, Stellvertretender Vorsitzender der VRFF Betriebsgruppe Bonn und Leiter der Tarifkommission ergänzt: „Das mickrige Angebot der DW von einer Gehalts- und Honorarerhöhung von nur 1% pro Jahr war das enttäuschende Resultat von sieben Monaten zäher Verhandlungen zwischen den Gewerkschaften und der DW. Dabei haben wir viele Kompromissangebote gemacht (z.B. Sonderkündigungsrecht), die alle abgelehnt wurden. Wir dividieren niemanden auseinander und mobilisieren die KollegInnen für angemessene Tariferhöhungen.“

Neben der VRFF nahmen auch GewerkschaftlerInnen von ver.di und DJV an der Aktion teil und kündigten weitere Protestaktionen an, so z.B. einen virtuellen Warnstreik am Freitag, dem 11. September 2020 von 10.00 bis 12.00 Uhr. Am Standort Berlin fand gestern, 10.09.20 ein Warnstreik mit 300 TeilnehmerInnen auf der Straße vor der Deutschen Welle und ca. 200 virtuell Streikenden in Teams und bei Facebook statt.

Erst im Februar 2020 hatte die DW Tarifsteigerungen von 6.2% für knapp 3 Jahre zugesagt. Auf Grund der Corona-Pandemie wurde dieses Angebot aber wieder zurück genommen. In den anschließenden Tarifverhandlungen lehnte die DW sogar das Sonderkündigungsrecht ab, welches der DW ermöglicht hätte, bei möglichen künftigen Budgetkürzungen die Tarifsteigerung zurück zu nehmen. Seitdem beharrt die DW in den Tarifverhandlungen auf eine Tarifsteigerung von armseligen 1%. Ein Angebot, das angesichts der erschwerten Arbeitsbedingungen, für die VRFF nicht hinnehmbar ist.

Die VRFF fordert:
• 6,2 % in den nächsten 33 Monaten – so wie im Eckpunktepapier vereinbart!
• Auch in Coronazeiten gilt: Tariferhöhungen werden zwischen Sozialpartnern ausgehandelt und nicht als Almosen verteilt!
• Die DW reklamiert höhere Kosten wegen Corona. Auch die DW-ArbeitnehmerInnen haben mit Kostensteigerungen zu kämpfen: Mieten, Versicherungen, Investitionen im Home Office. Das Alles gibt es nicht zum Nulltarif und auch nicht für 1 %.

Am Warnstreik in Berlin nahmen neben Mitgliedern der dortigen VRFF-Betriebsgruppe auch der VRFF-Bundesvorsitzende, Ulrich Eichbladt, sowie die 2. Stellvertretende Bundesvorsitzende, Dagmar Bahr, teil. Christoph Eich, Leiter der VRFF-Tarifkommission DW war ebenfalls extra aus Bonn angereist.

Ulrich Eichbladt betonte in seiner Rede vor den Streikenden das hohe Engagement der Mitarbeitenden: „Ihr alle habt in den letzten Monaten viel geleistet!
Das Haus wurde innerhalb von Tagen komplett auf Home-Office umgestellt.
Viele setzen ihre privaten Geräte für die Arbeit im Home-Office ein. Ihr habt Homeschooling und Homekita durchgestanden. Trotz all dieser Belastungen und Probleme wurde noch ein erfolgreiches Programm gemacht, was zahlreiche Veröffentlichungen der Geschäftsleitung intern wie extern beweisen. Wer gute Arbeit leistet, muss auch fair behandelt werden. Die anderen Rundfunkanstalten und auch der öffentliche Dienst der Länder hat gute Abschlüsse bekommen. Daher steht euch auch ein vernünftiger Abschluss zu.“