Weg aus der Krise

17.09.2007/vrff/HOL/Berlin: „Wenn man Europa an- schaut, tut sich das Bild eines großen Altersheimes auf “ mahnte der Präsident der CESI, Valerio Salva- tore, in seinem Grußwort zur Eröffnung der 3. Konf- erenz zum Demograph- ischen Wandel in Europa.

Unter der Überschrift „Mehr Mut zu Kindern – Männer und Frauen zwischen Beruf und Familie“ lud die Aka- demie Europa, die Forschungs- und Weiterbildungeinrichtung der CESI , 120 Ge- werkschafter und Gewerkschafterinnen aus 14 Europäischen Ländern vom 12.- 14. September 2007 nach Brüssel ein. Auf der Suche nach Antworten zu der Frage , wie mit den Instrumenten der Arbeitsmarktpolitik den bedrohlichen Ge- burtenrückgängen in allen Ländern Europas begegnet werden kann, hörten die Teilnehmer der Konferenz Vorträge zu möglichen Modellen aus anderen Ländern und diskutierten die Lösungsansätze mit Experten, Politikern und Arbeitnehmer- innen aus ganz Europa.

Salvatore warnte davor, die Menschen nur mit dem Schreckgespenst von Renten- kürzungen und Pflegenotstand zu konfrontieren und forderte auf, im demograph- ischen Wandel eine Chance zu sehen. Den Gewerkschaften komme bei diesem Prozess eine besondere Rolle zu. Der wichtigste Ansatz bei der Lösung des Pro- blems sei die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
„Familienarbeit muss wieder genauso wertvoll sein wie Erwerbsarbeit. Aus der Konkurrenz muss wieder ein Miteinander werden. Arbeitszeiten müssen wieder dem Leben angepasst werden und nicht umgekehrt“, so auch Astrid Hollmann,
Bundesgenderbeauftragte der VRFF Die Medienge- werkschaft.
Der Europäische Vergleich zeigt, dass die Länder mit einer hohen Erwerbsquote bei Frauen auch die höch- ste Geburtenrate haben – an der Spitze steht Frank- reich, hier ist die Betreu- ung flächendeckend. Auch Schweden schneidet sehr gut ab. Hier ist es z. B. möglich, bis zu 120 Tage im Jahr frei zu nehmen, wenn ein Kind erkrankt ist. Die Elternzeit kann über eine Dauer von 26 Wochen flexibel sowohl von der Mutter als auch vom Vater abgenommen werden. Beide Elternteile sollen die
Möglichkeit haben, die Erziehung der Kinder aktiv zu gestalten, ohne den An- schluss im Beruf zu verpassen.

Florian„In Deutschland haben Personalchefs häufig Müttern gegenüber voll- kommen unberechtigte Vorurteile.“ Berichtet Florian Busch-Janser.
Der Geschäftsführer einer Personalberatung hat die Initiative Agenturfamilie gegründet und hat die Vor- urteile von Personalent- scheidern in der Kommuni- kationsbranche gegenüber Eltern untersucht. Dabei hat er festgestellt, dass gerade Organisationsfähigkeit, Teamgeist und Belastbarkeit die Qualitäten sind, die von Kommunikationsagenturen geschätzt und bei Eltern besonders trainiert werden. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit diesen Qualifikationen an sich zu binden, ist deshalb angesichts des demographischen Wandels für alle Branchen von Vorteil und keine Belastung.

Helmut Müllers, Ge- neralsekretär der CESI, forderte alle Gewerk- schafter zur Mitwirkung auf, die Arbeitswelt so mitzugestalten, dass Beruf und Familie wieder besser miteinander vereinbar sind. „Karriere darf nicht zu Lasten der Familie gehen. Familiengründung aber darf für Frauen keine Nachteile im Beruf bedeuten.“
Die Ergebnisse der Konferenz werden an die Europäische Kommission weitergeleitet.

Die CESI ist der Europäische Dachverband der unabhängigen Gewerkschaften, in der die VRFF über den dbb Mitglied ist.
Mehr Informationen zu Konferenz unter www.cesi.org