Wir sind „nur“ der rosa Karneval – Köln demonstriert Vielfalt

09.07.2014/VRFF/Köln: Als Genderbeauftragte der VRFF Betriebsgruppe Beitragsservice beschäftigen wir uns selbstverständlich auch mit dem Thema „Homophobie“. Unter uns, sei es im privaten Umfeld oder auch im beruflichen, gibt es viele Menschen, die von diesem „Tabuthema“ betroffen sind.

Die Cologne Pride mobilisiert die ganze Stadt im Kampf gegen die Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans- und Intersexuellen. Seit 1991 wird für die rechtliche Gleichstellung und gesellschaftliche Akzeptanz demonstriert.

Auch der dbb Köln beteiligte sich an der bunten Straßenparade mit einem eigenen Wagen. Wir hatten das große Glück, ein Teil dieses beeindruckenden Umzugs zu sein und als Vertreter/innen der VRFF auf dem Wagen des dbb Köln für mehr Toleranz demonstrieren zu können. Unter dem Motto „Wir lieben vielfältig“ präsentierten wir uns gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen des dbb Köln und setzten somit ein Zeichen für Toleranz auch in öffentlichen Berufen.

Ob „homo oder hetero“, das spielte keine Rolle. Als Gewerkschaft haben wir uns gemeinsam stark gemacht für Toleranz.

csd_02_kAngelika Toh, stellvertretende Vorsitzende der Betriebsgruppe Beitragsservice der VRFF:

„Als ich erzählte, dass ich bei der CSD-Parade in Köln auf dem Wagen des dbb mitfahren werde, wurde ich gefragt, ob sich bei mir was „geändert“ hat.

Nein, bei mir hat sich nichts geändert – ich bin weiterhin ehrenamtlich gewerkschaftlich tätig.

Denn wir als Gewerkschafter vertreten jeden Menschen, egal ob hetero- oder homosexuell, weiß oder schwarz, jung oder alt. Von daher habe ich mit großer Freude die Möglichkeit des Mitfahrens ergriffen und es war eine tolle Parade.

Es geht aber nicht nur darum, Karneval im Sommer zu feiern – sondern es geht um elementare Menschenrechte. Das Recht – jeden lieben zu können – und dies auch auszudrücken und leben zu können: ohne Beleidigungen und Anfeindungen, ohne Angst vor Verfolgung.

Darauf wurde immer wieder durch Reden, die über alle Lautsprecher übertragen wurden, aufmerksam gemacht. Denn dieses große Fest, welches wir hier immer wieder feiern – diese Feier ist in vielen Ländern nicht möglich. Von daher war es ein toller und außergewöhnlicher Tag, an dem ich gerne mit den anderen Gewerkschaftsmitgliedern auf dem Wagen und den Leuten auf der Straße, gefeiert, getanzt und gesungen habe.“

csd_03_kFrank Bergmann, einer der beiden Genderbeauftragten der Betriebsgruppe Beitragsservice der VRFF:

„Seit vielen Jahren treffen sich in Köln inzwischen Hunderttausende Menschen, um gemeinsam ein Zeichen zu setzen für Gleichbehandlung und Gleichstellung von Lebenssituationen von Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuellen in unserer Gesellschaft. Die Parade zum CSD (Christopher Street Day) ist traditionell schrill, bunt und laut. Deshalb erscheint sie vielen Menschen eher als eine große bunte Party für deren Ausrichtung kostengünstig der Deckmantel einer Demonstration gewählt wird. Wer so denkt, verkennt allerdings die politische Dimension und Aussage dieser Veranstaltung.

Natürlich genieße auch ich auf dem CSD das Zusammensein mit netten Menschen bei guter Musik und toller Stimmung. Dennoch ist die politische Aussage für mich der eigentliche Grund für meine Teilnahme.

Sicher, hier im Beitragservice kann ich ohne Probleme wenn ich das möchte ganz offen mit Kolleg/innen über meine Familie, die eben in erster Linie aus meinem Mann und mir besteht, reden, darüber, wie wir Urlaub und Freizeit verbringen, über all das, was mich als Menschen ausmacht und worüber ich eben erzählen möchte. Genauso stelle ich mir Gleichbehandlung vor: keine Randbemerkungen oder faule Witze hinter vorgehaltener Hand und erst recht keine Nachteile im beruflichen Werdegang.

Doch dieses Stück Normalität im Umgang ist hart erkämpft. Noch in den 80er Jahren wurden homosexuelle Männer von der Kölner Polizei in sogenannten Rosa Listen registriert und noch vor zehn Jahren wurde ich von meiner Vorgesetzten gefragt, ob ich in unserer Beziehung Mann oder Frau sei. Noch in meiner Jugendzeit rissen meine Eltern vorm Fernseher Schwulenwitze und der „Schwuli“ aus der Parallelklasse bezog täglich Prügel auf dem Heimweg.

Deswegen beobachte ich mit Besorgnis Entwicklungen in einigen EU-Mitgliedstaaten, in denen nationalistische und neokonservative Parteien versuchen, das Rad der Geschichte zurück zu drehen und LGBTI wieder aus dem gesellschaftlichen Diskurs zu vertreiben. Dass gerade in diesen Ländern die Gewalt gegen Homosexuelle und Transgender massiv zugenommen hat, verwundert nicht, sondern zeigt ganz deutlich, dass Vorurteile, Klischees und wirres Gedankengut noch immer ihr Unwesen treiben und nur mit einer dünnen Decke der Toleranz überdeckt sind. Ganz zu schweigen von Ländern wie Russland, Palestina und Uganda, wo es inzwischen einem Todesurteil gleichkommt, offen zu lieben, wen man(n) oder frau will.

Genau deshalb finde ich es richtig und wichtig, sich zu zeigen, aus der Deckung zu kommen und laut für all das, was es in puncto Gleichstellung noch zu erreichen gilt, einzutreten.

Die Demonstration zum Gedenken an den CSD ist dafür in Köln DIE Gelegenheit. Und wenn es nebenbei noch Spaß macht, was kann es Schöneres geben?“