Bundesgendervertretung

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

31.05.2017/VRFF/AH/Berlin:

„Ein großer Mann kann auf jeden Fall auch ein großes Land führen?! – nicht zwingend zutreffend, aber so in vielen Köpfen, wenn man ehrlich ist.“ Das war nur eine Erkenntnis im großartigen Vortrag von Prof. Dr. Matthias Spörrle über Klischees, wie sie funktionieren und wie gefährlich sie sind. Einer von vielen guten Vorträgen bei der Fachtagung der dbb bundesfrauenvertretung. Zum Thema: „Frauen 4.0 – Diskriminierungsfreies Fortkommen im öffentlichen Dienst“ zu dem sich knapp 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Berlin trafen.

dbb Bundesfrauenvertretung

Eine geschlechterbedingte Lohnlücke dürfte es im öffentlichen Dienst eigentlich gar nicht geben, sagte die Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung Helene Wildfeuer in ihrer Auftaktrede: „Fakt sind hier aber sechs Prozent!“ Diesen Befund bestätigte Astrid Hollmann, Bundesgenderbeauftragte der VRFF die Mediengewerkschaft für die Medien. Trotz guter tarifvertraglicher Regelungen schaffen es Frauen seltener in Führungspositionen und haben am Ende des Berufslebens insgesamt wesentlich weniger verdient und damit auch geringere Rentenansprüche. „Insbesondere Freie Mitarbeiterinnen sind oft der Verhandlungswillkür der Auftraggeber ausgesetzt. Hier geht es dann weniger um Qualität, als um Verhandlungsgeschick“ bestätigte Hollmann am Rande der Veranstaltung. Ein wichtiger Grund sind die Klischees in den Köpfen der Menschen. Frauen wird oft weniger zugetraut, bezüglich ihrer Kompetenz, ihrer Durchsetzungskraft, aber auch in ihrer Rolle als Familienernährerinnen.

Astrid Hollman

Insbesondere mit Blick auf das Konzept Arbeiten 4.0 forderte Hollmann eine Abkehr von der männlich geprägten Präsenzkultur.“ In den Medien wird immer mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit- und Arbeitsplatzgestaltung gefordert. Das birgt ein Chance für Frauen und Männer, die Beruf und Familie vereinbaren wollen. Das sollte sich auch in der Bezahlung und Wertschätzung wiederspiegeln, forderte Hollmann. Dafür gilt es Vorurteile abzubauen und Leistung am Ergebnis zu messen und nicht an der Anwesenheit.
Die Betrachtung von dienstlicher Beurteilung – zwischen geschriebenem Recht, ausgelegten Regelungen und unterbewussten Vorannahmen der Führungskräfte: Die Fachtagung hat erneut nicht nur inhaltlich begeistert und allen Beteiligten viel Spaß gemacht. Für die VRFF Frauen war es eine gute Gelegenheit über die Medienberufe hinaus zu Netzwerken.

Konferenz

Fotos von: © Businessfotografie Inga Haar und Astrid Hollmann