Fachtagung zum Thema „Integration der Jugend und älterer Arbeitnehmer in den Arbeitsmarkt“

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14.05.2007/vrff/DBA/Berlin: Vom 8.-11. Mai 2007 fand in Sevilla eine Fachtagung zum Thema „Integration der Jugend und älterer Arbeitnehmer in den Arbeitsmarkt“ statt. Veranstalter war die Akademie Europa, die Forschungs- und Weiterbildungseinrichtung der CESI (Europäische Union der Unabhängigen Gewerkschaften).145 Teilenehmer aus fast allen EU Staaten von Dänemark bis Spanien nahmen an der Veranstaltung teil.

Viel Raum nahm am ersten Tag das Thema „Gewalt an den Schulen“ ein. Diese ist in Schulen mit einem problematischen sozialen Umfeld verstärkt anzutreffen. Schüler, deren Eltern über Jahre arbeitslos sind, sehen leider oft auch für sich oft keine Zukunftsperspektiven. Eltern fehlt zunehmend die Zeit sich ausreichend mit ihren Kindern zu beschäftigen, die Folge hiervon ist, dass diese statt dessen viel Zeit unkontrolliert vor dem Fernseher oder im Internet verbringen. Gewaltverherrlichende Filme und Spiele werden konsumiert und als eine der Ursachen für die erhöhte Gewaltbereitschaft angesehen. Alkohol und Drogenkonsum senken eben- falls die Hemmschwelle in Richtung Gewalt. Hier wäre es wichtig, das Freizeitangebot für die Jugendlichen zu verbessern sowie den Jugendlichen mit einem dem Arbeitsmarkt angepassten Ausbildungsangebot berufliche Zukunftsperspektiven aufzuzeigen.

Die Kollegen der neuen EU-Mitglieder berichteten über weitere Schwierigkeiten aus ihren Ländern. In Polen sind zum Beispiel die Klassenfrequenzen zu hoch und die Lehrer unterbezahlt (EUR 250,– bis 500,–). In Rumänien ist die schulische Ausbildung oft wirklichkeitsfern. Auf der anderen Seite wandern die gut ausgebildeten Akademiker ins Ausland ab.

Eine leider noch nicht ausreichend bekannte Perspektive für junge Menschen zeigte Joanna Baszture auf. Joanna Baszture (Europäische Kommission) ist für das Leonardo da Vinci Programm in den Ländern Großbritannien, Irland, Polen, Norwegen, Malta, Litauen und Luxemburg zuständig.
Das Leonardo da Vinci Programm ermöglicht jungen Menschen, Mobilitätserfahrungen zu sammeln. So kann z. B. ein junger Finne in Irland seine beruflichen Kenntnisse erweitern. Dieses durch Fördermittel der EU finanzierte Programm ist für alle Bildungsarten offen, auch für junge Menschen mit Behinderungen. Viele der jungen Menschen, die an diesem Projekt teilnahmen, haben bereits im Gastland eine Anstellung gefunden bzw. mit Hilfe der dort gesammelten Erfahrungen im Anschluss daran in ihrem Heimatland.

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Ungefähr ab 2015 wird die demographische Entwicklung in den meisten Mitgliedstaaten der EU zu einem massiven Fachkräftemangel führen. Das könnte zur Verringerung der Arbeitslosenzahlen führen. Um eine Entlastung der Sozialsysteme zu erreichen, müssen höhere Beschäftigungsquoten erreicht werden. Dazu müssten für junge Eltern Verbesserungen hinsichtlich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie erreicht werden. Um die Beschäftig- ungsquote älterer Menschen zu erhöhen, sind aus gewerkschaftlicher Sicht eine Reihe von Voraussetzungen erforderlich. Dazu gehören unter anderem die Stärkung der Weiterbildungsmöglichkeiten und altersgerecht gestaltete Arbeitsplätze. Ältere Menschen bilden mit ihrer Berufs- und Lebenserfahrung ein wichtiges arbeitsmarktpolitisches Reservoir. Anstatt das Rentenalter weiter nach oben zu setzen, sollte über flexiblere Übergänge nachgedacht werden, denn viele Menschen verkraften den radikalen Schritt vom Berufsleben in den Ruhestand nicht sehr gut. Ein Kollege aus Dänemark berichtete, dass er zur Zeit mit seinem Arbeitgeber sein- en Eintritt in den Ruhestand verhandelt. Er wird versuchen, ein Modell auszuhandeln, das es ihm ermöglicht, noch weiter zu arbeiten, aber trotzdem ausreichend Zeit für sein Hobby zu haben. Ein solches Verfahren sei in Dänemark bereits gängige Praxis.

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Trotz einem abwechslungsreichen Abendprogramm blieb noch genügend Zeit, Kontakte zu knüpfen und Er- fahrungen auszutauschen. Mit vielfältigen Eindrücken aus einer wunderschönen Stadt und vielen Anregungen und Ideen im Gepäck traten die Teilnehmer am Freitag ihre Heimreise an.

Die VRFF Die Mediengewerkschaft wird mit Hilfe ihrer engagierten Mitglieder ihren Beitrag dazu leisten, dass dieser Wandel im Sinne und zum Wohle aller Beschäf- tigten vollzogen werden kann.