Internationaler Tag der Pressefreiheit 2019

03.05.2019/VRFF/ABR/Köln: Kurz vor dem heutigen Internationalen Tag der Pressefreiheit haben die Reporter ohne Grenzen wieder ihre Weltkarte der Pressefreiheit zur Verfügung gestellt. Mit Erschrecken stellen wir fest, dass es im weltweiten Überblick weiterhin nicht gut um die Pressefreiheit bestellt ist – politische, religiöse und wirtschaftliche Einflussnahme ist in vielen Ländern gelebte Praxis – ein Skandal, auch weiterhin. „Dass sich daran nichts ändert und mit absoluter Routine immer mehr Länder in den „roten und schwarzen Bereich“ rutschen, sollte uns nicht davon abhalten, immer wieder darauf hinzuweisen, dass die Pressefreiheit in alle Grundgesetze weltweit gehört – aber nicht nur als Lippenbekenntnis, das sehen wir ja gerade in unserem Nachbarland“, erklärt die 1. Stellvertretende Bundesvorsitzende und Pressesprecherin der VRFF, Anke Ben Rejeb.

Auch der VRFF-Bundesvorsitzende, Ulrich Eichbladt ergänzt zum Thema: „Diktaturen sind allseits bekannt für ihren Umgang mit Pressefreiheit. Aber wenn wir in der letzten Zeit einmal ins Nachbarland Österreich geschaut haben, muss uns klar werden, dass kritischer Journalismus auch hier missliebig ist und die Pressefreiheit bedroht – trotz Gesetz.“.

Die Reporter ohne Grenzen entwickeln zur Veranschaulichung des Grades der Pressefreiheit jährlich ein entsprechendes Ranking. Es bewertet die weltweite Lage der Presse- und Informationsfreiheit in 180 Ländern. Sie versucht den Grad der Freiheit wiederzugeben, die Journalist*innen, Blogger*innen und Medien in den einzelnen Ländern erfahren. Außerdem bewertet sie die Bemühungen der jeweiligen Staaten, unabhängige Berichterstattung zu respektieren und die ungehinderte Arbeit von Medienschaffenden sicherzustellen. Die Rangliste ist kein Indikator für die Qualität der Berichterstattung in den jeweiligen Ländern.

Als Grundlage für die Rangliste hat Reporter ohne Grenzen einen umfangreichen Fragebogen an Hunderte Expert*innen auf allen Kontinenten versandt, darunter das eigene Netzwerk von Korrespondent*innen, Partnerorganisationen sowie
Journalist*innen, Wissenschaftler*innen, Jurist*innen und Menschenrechtsaktivist*innen. Es handelt sich jedoch nicht um eine repräsentative Umfrage nach wissenschaftlichen Kriterien. Der Fragebogen berücksichtigt Faktoren wie Medienvielfalt, rechtliche und
wirtschaftliche Rahmenbedingungen oder Zugangsmöglichkeiten zum journalistischen Beruf. Medienrechtliche Strafen, Staatsmonopole oder die Existenz von Regulierungseinrichtungen finden ebenso Berücksichtigung wie das Maß der Unabhängigkeit staatlicher Medien. Auch Selbstzensur, Recherchefreiheit und finanzieller Druck fließen in die Bewertung ein, ebenso Hindernisse für den freien Informationsfluss im Internet. Berücksichtigt werden nicht nur Verletzungen der Medienfreiheit, die vom Staat ausgehen, sondern auch Bedrohungen seitens bewaffneter Milizen, Untergrundorganisationen oder anderer Interessengruppen. (Quelle: www.reporter-ohne-grenzen.de).

Norwegen, Schweden, Finnland, Niederlande und Dänemark bilden die Top 5 der Rangliste, während Turkmenistan, Nordkorea, Eritrea, China und Vietnam die absoluten Schlußlichter markieren. Ein Blick auf das Gesamtranking lohnt sich, denn die Situation verschlechtert sich in Ländern, in denen man sich bisher im weltweiten Vergleich eher sicher fühlen konnte. Zu den Regionen, in denen sich die Lage am stärksten verschlechtert hat, gehört nämlich Europa. Auch die USA sind auf der Rangliste nach unten gerutscht. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

Foto: Reporter ohne Grenzen