VRFF zu WDR-Sparmaßnahmen: Fühlt sich an wie ein Wortbruch

Bis 2027 streicht der WDR 76 Angebote und baut bis 2030 133 Stellen aus Verrentungen ab. Was heißt das für die Mitarbeitenden? Jede dritte Stelle wird nicht nachbesetzt. Und weit mehr als 100 freie Mitarbeitende werden nicht weiter beschäftigt. Für ein Medienunternehmen unwürdig erfahren es die Mitarbeitenden jedoch nur kurz vor der Veröffentlichung. Nicht nur in der Öffentlichkeit verliert der renommierte Sender Vertrauen, auch die Mitarbeitenden vermissen immer mehr den Rückhalt der Geschäftsleitung. Der Betriebsgruppenvorsitzende Rainer Blum ist entsetzt: „Haben wir als größte Sendeanstalt keine besseren Kommunikationsstrategien?“

Vergangenen Freitag, dem 25. September 2026, Punkt 10 Uhr lud der WDR seine Belegschaft zu einer Infoveranstaltung per Teams ein. Wussten die meisten schon, dass dies nichts Gutes verhieß, setzte die Führung geschlossen noch einen drauf und verkündete nach einer kurzen Umfrage, die sich wie ein Ablenkungsmanöver ausnahm und ein wenig „Schönwetterstimmung“ verbreiten sollte, dass bis Ende 2030 mehr als 130 Planstellen nicht nachbesetzt und 50 % des Programmangebots gestrichen würden.

Unter dem Motto „Reicht unser bisheriges Tempo, um den Anschluss an die Zukunftnicht zu verpassen?” eröffnete Intendantin Katrin Vernau die Sitzung, der ca. 600 Mitarbeitende folgten und in der bis in die Nachmittagsstunden mit den Direktor*innen Ingmar Cario (IFO = Information / Fiction / Unterhaltung), Andrea Schafarczyk (NWK = NRW / Wissen /Kultur), Stefanie Drinhausen (Verwaltungsdirektion) und Dominique Hoffmann (DPT =Direktion Produktion & Technik) hitzige Diskussionen entstanden. Auch der Personalrat zeigte sich angesichts seines Ausschlusses an der Genese der Entscheidungen zu den Sparmaßnahmen entsetzt und beschwerte sich massiv, bis zum Schluss im Unklaren gelassen worden zu sein.

Bedenkt man, dass in den jüngst abgeschlossenen Tarifverhandlungen seitens der Geschäftsleitung betont wurde, dass die niedrigschwellige prozentualen Lohnerhöhung der Beschäftigten auch dadurch begründet wäre, dass im WDR eben keine betriebsbedingten Kündigungen geplant seien, wirkt der nun beschlossene Personalabbau eher wie ein gebrochenes Versprechen eines Politikers. Bei sich immer weiter verdichtendem Arbeitspensum der Festangestellten und immer unsicheren Beschäftigungsmöglichkeiten der freien Mitarbeitenden stellt die Minimierung des Programmangebots eher ein Lippenbekenntnis dar; handelt es sich doch hauptsächlich um Kürzungen und Wegfall einzelner Ausspielwege, die am Ende nicht zwingend zu einer Arbeitserleichterung führen.

Vielmehr ist der digitale Wandel, der momentan 25 % der Gesamtkapazitäten ausmacht, demnächst bei 45 % angesiedelt, und man darf erwarten, dass dies nicht weniger Arbeit bedeutet. Wir als VRFF wünschen uns für die Mitarbeitenden eine stabile Zukunft bei fairen Löhnen und keine weitere Reizüberflutung und Arbeitsverdichtung durch Digitalen Wandel und vor allem eine transparente Geschäftspolitik der Führung und halten Euch wie gewohnt auf dem Laufenden, was an Veränderungen demnächst im WDR auf uns zukommt.

Köln, Freitag, 2. Oktober 2026.

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