VRFF nach Streik in Köln: WDR setzt falsche Finanzprioritäten

Köln, 01.05.2026 – Der von mehreren Gewerkschaften mitgetragene Warnstreik der VRFF im WDR am gestrigen 30.04. hat Wirkung gezeigt: Zahlreiche Regionalprogramme wie die Lokalzeit Aachen, Bielefeld, Düsseldorf, Münster und Köln fielen aus, und das landesweite Nachrichtenmagazin „Aktuelle Stunde“ und „WDR aktuell“ wurden – wie bereits bei den letzten Streiks vor zwei Jahren – in das Fernsehstudio 44p in Köln-Mühlheim ausgelagert. „Das ist ein kostspieliger Versuch, die Streiks im WDR unsichtbar zu machen,“ erläutert Stephan Gans, VRFF-Streikleiter im WDR.

Zusätzlich zu den Arbeitsniederlegungen ab 2:00 Uhr Donnerstagfrüh hatten sich um 10:00 Uhr mehr als 150 Streikende von WDR und Beitragsservice am Mausdenkmal vor dem Vierscheibenhaus in Köln versammelt, in dem die Intendanz und die Verwaltung des WDR sitzen. Gemeinsam machten sie ihrem Unmut Luft, der sich durch die zähe Verhandlungsrunde und das unverändert schlechte Angebot am Tag davor unter den Beschäftigten breit gemacht hatte.

Parallel zur Kundgebung hielt die Geschäftsleitung des WDR einen virtuellen Infotermin über die strategische Zukunftsausrichtung des Funkhauses ab, in dem der Warnstreik unerwähnt blieb – als wollten sie die Streikenden ignorieren.

Die VRFF prangert jedoch ganz andere Dinge an: Dass der WDR in der aktuellen wirtschaftlichen Lage seinen Mitarbeitenden tatsächlich eine Nullrunde in diesem Jahr zumuten will, obwohl Gelder wohl vorhanden sind. Denn der gerade abgeordnete Direktor Jörg Schönenborn wird bis April 2029 – bei fortgesetzter voller Gehaltszahlung durch den WDR – im NDR die „Tagesthemen“ moderieren. „Das ist nicht nur ein Affront gegen die Mitarbeitenden, sondern auch ein nicht nachvollziehbarer Einsatz von Liquidität, die woanders sinnvoller eingesetzt werden könnte und mehr als nur einer Personalie zu Gute käme“, erklärt Stephan Gans, VRFF-Streikleiter im WDR. „Und das ist nur ein Beispiel,“ fügt er hinzu.

WDR-Intendantin Katrin Vernau hat im dwdl-Interview vom 23.04.2026 eingeräumt, dass das Direktorengehalt von Schönenborn bis April 2029 weiter vom WDR bezahlt wird und er zm NDR nur abgeordnet ist. „Allein ein Jahresgehalt Schönenborns würde ausreichen, um die von uns geforderten 5 Euro weiterer Bezuschussung des Deutschlandtickets für die aktuell 4.000 Nutzenden in WDR und Beitragsservice zu fördern – was auch ein deutliches Zeichen des Hauses für Klimafreundlichkeit wäre“, ergänzt Matthias Kopatz, VRFF-Verhandlungsführer im WDR.

„Der gestrige Warnstreik hat gezeigt, dass wir gemeinsam unsere Forderungen durchsetzen können, um dem WDR zeigen, dass man in diesen von Krisen gebeutelten Zeiten bei einer Arbeitsverdichtung von bis zu 50% die Belegschaft nicht einfach mit monetären Lippenbekenntnissen abspeisen kann,“ so VRFF-Streikleiter Gans. „Wir möchten faire Löhne zu fairen Arbeitsbedingungen und nicht weiter von der teils zynischen Geschäftspolitik bzgl. Infostrategien und Digitalem Wandel zerdrückt werden“.