Wird es in Berlin kälter?

18.02.2011/vrff/KNI/Berlin: Klimaerwärmung, Jahrhundertkälterekorde, Schnee- berge wohin das Auge reicht. Das ist Berlin 2010/2011. Und doch soll das kein Artikel über das Wetter werden. Es geht um ein Geschäftsfeld zwischen aufge- heizter Atmosphäre und Eiszeit. Und natürlich aus subjektiver Sicht, wie das mit empfundenen Zugbelastungen einer Klimaanlage manchmal auch ist. Berlin steht als Studio eigentlich gut da. Wir produzieren für das Morgenmagazin, aspekte, Berlin direkt, Maybritt ILLNER, für die Aktualität, für viele Sondersendungen, für 3sat, die Kollegen der ARD, für internationale Mieter und Gäste und für eigentlich alle, die bereit sind, unsere Leistungen zu bezahlen.

Da sollte man eigentlich annehmen, dass man sich hier, im größten Studio auß- erhalb der Zentrale, gut im Wettbewerb behauptet. Bei so vielen Produktionen. Aber wir schreiben keine schwarze Null. Wir befinden uns, wie alle Geschäftsbe- reiche, in einem Wettbewerb um das günstigste Produkt. Kurz, es darf nicht viel kosten und darüber hinaus wäre es schön, wenn die Qualität noch stimmt. Das trifft so manchen, der hoch motiviert sein Produkt vertreten möchte.
Ein Beispiel? Der Einsatz von verbesserten Bildtelefonübertragungen. Früher nur in Krisengebieten verwendet, ersetzen die Nachfolger so manche qualitativ hoch- wertige Easy-Linkanlage oder SNG. Das ist ein Widerspruch zu hochauflösen- dem Fernsehen! Aus Kostengründen!

Dass man hier Kritik übt, hat nichts mit realitätsfernem Verhalten zu tun. Wir wissen auch, dass die Gebühren nicht nach unseren Wünschen steigen oder dass die Politik uns in wichtigen Belangen eisigen Wind entgegenbläst. Deshalb resignieren? Alles akzeptieren? Nein! Das eine sind die Rahmenbedingungen, das andere machen wir. Chancen, die in unserer neuen Senderfamilie stecken, sollten wir nutzen. Mit Qualität weiterhin überzeugen. Wir alle sind das ZDF!
Doch in Berlin empfinden sich viele als nicht mehr einbezogen. Schöne Leitlinien, aber entscheiden tun andere. Wir fragen uns: Wo sind die Beispiele, wo Ent- schlüsse, die bei Kolleginnen und Kollegen auf Unmut stoßen, nach einem Disk- ussionsprozess wieder geändert werden? Muss Sparen immer an den Stellen er- folgen, die am Ende einer langen Kette sitzen? Weitere Einsparungen beim Per- sonal? Bei freien Mitarbeitern? Gibt es einen neuen Wettbewerb im Geschäfts- feld, sie möglichst unterhalb ihrer bisherigen Einsatztage zu beschäftigen und die Arbeit auf die festen Mitarbeiter zu verteilen? Wird erwartet, dass sie sich ruhig verhalten, wenn es um die Einforderung von Urlaubs- und Einsatztagen oder zu- stehende Ausgleichszahlungen geht?

Die Arbeit ist weiterhin da, aber die Belastung steigt bei Einzelnen. Es wäre ein Fehler, nicht zu erkennen, dass es die Freien nicht gibt, um im Dienstplan die Lücken zu füllen und damit sie zu Hause auf den Anruf zur Beschäftigung warten. Wir brauchen sie zur Innovation, in Produktionsspitzen, die schon in jeder zweit- en Woche des Jahres das Morgenmagazin setzt und um unsere Möglichkeiten im Wettbewerb zu stärken. Die ersten Kollegen kommen zu uns und wir werden als VRFF hier nicht nur zuhören. Für uns gilt: „Ein klares Bekenntnis zu allen, die im ZDF ihren Lebensunterhalt verdienen!“

Apropos. Ein Thema sind auch Kolleginnen und Kollegen mit Zeitverträgen. Sie müssen um ihre Verlängerung bangen. Sicherlich ist vom Haus zu prüfen, ob die Voraussetzungen für ihren Einsatz weiterhin gegeben sind, zum Beispiel nach Elternzeitvertretung. Doch wer unter ständigen Ängsten lebt, dass sein Job auch anders besetzt werden kann, ist bei Auseinandersetzungen in jedem Fall in der ungünstigsten Lage.

Eislawinen können bei Tauwetter von oben nach unten poltern. Ein paar Worte noch zur Geschäftsfeldleitung. „Am Anfang steh’n wir vor Kalendern und wollen bessern, steigern, ändern. Am Ende ist’s oft wunderbar, wenn wenigstens nichts schlechter war!“. Dass dieses Motto auf unsere Spitze zutrifft, will ich nicht be- haupten, aber Kommunikation ist ihre Stärke nicht! Der vertraute Chef unter den Mitarbeitern hat sich verabschiedet. Teamleiter versuchen den E-Mail-Verkehr zu neuen Arbeitszuweisungen zu nutzen und werden immer mehr selbst aus dem Produktionsprozess herausgelöst. Die Arbeitsaufgaben fallen dann anderen zu.
Das neue Schlagwort ist ja sowieso vorgegeben: Multifunktional einsetzbar sein. Hoch- und abwärts-, kreuz- und querkompatibel. Wobei „abwärtskompatibel“, also auch für die Arbeitsaufgaben, die sonst geringer bezahlt werden, einsetzbar, ein zu forderndes „Muss“ ist. So klingt es aus der Führungsriege.

Gut, die Bereitschaft dafür ist überwiegend da. Die Motivation und das Verständnis steigen aber erst dann, wenn es auch vorgelebt wird! Zusätzliche Tätigkeiten, die „hochkompatibel“ sind und die, sobald sie übernommen werden, als nur ge- ringfügig höherwertig gelten, irritieren. Die meisten wollen sich schon entwickeln, neue Technologie- und Veränderungsprozesse begleiten, aber es darf eben nichts kosten. Unangenehm, wenn hier um Höhergruppierung, um Zulagen oder um Schulung gestritten wird.

Ist es denn der richtige Ansatz, dass der Produktionsbereich, der schon seit Jahren intensiv spart, von Produktion und Redaktion, bei Kürzungen ihres Etats, Besuch bekommt? Sie sich aufmachen, um an der Produktionstür zu klopfen, um Einsparungen hier zu erreichen?
Es ist Zeit, selber quer zu denken. In schon oft geforderte Richtungen. Lasst uns mehr Produktionen selbst machen. Fremdvergaben nur in Ausnahmen gestatten. Sendungen für zdf_neo, info- und theaterkanal in unseren Studios als Vor- und Liveproduktionen und mit unseren Redaktionen als übergreifende Fachkompetenz produzieren. Uns international als die Überspielstation Deutschlands profilieren. Und das natürlich nicht nur in Berlin.

Macht Schluss damit, dass Studios aus verrechnungstechnischen Gründen an das Haus „zurückgegeben“ werden. Das ist schwer zu verstehen. Und sich für Leistungen bereitzuhalten, ohne dass es das Geschäftsfeld stärkt, auch. „Be- klage nicht, was nicht zu ändern ist, aber ändere, was zu beklagen ist.“ So Shakespeare. Deshalb EBS und Kennzahlen in Frage stellen? Nein! Sie haben uns geholfen, für Gremien und Rechnungshof verstehbar zu sein. Wieso fehlt es dann an den Erklärungen, der Transparenz, der versprochenen Optimierung uns- erer Ressourcen?
Kälte muss nicht durch höhere Energiepreise bekämpft werden. So ist es legitim, die Möglichkeiten des Arbeitszeittarifvertrages zu nutzen, aber er lässt auch der Belegschaft Schutz und Raum. Als Tarifpartner werden wir hier schauen, dass mit derselben Beharrlichkeit der Tarifvertrag nicht im Geschäftsfeld umgedeutet wird und dass zustehende Bonifikationen gutgeschrieben werden.

Mit der Hoffnung, dass in Berlin das S-Bahn-Chaos der „einzige Zustand vollständiger Unordnung und Verwirrung“ (laut Wikipedia) bleibt und wir einen guten, wärmenden Frühling und Sommer bekommen, bleibt mit uns im Gespräch!