VRFF-Gewerkschaftstag: ÖRR unter Druck – Verbesserungen für Beschäftigte solidarisch erkämpfen

Rösrath/Köln, 16.06.2026 – Die VRFF Die Mediengewerkschaft hat sich auf ihrem 40. Gewerkschaftstag für die sich rasant ändernde Arbeitswelt im Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk frisch aufgestellt. Denn Faktoren wie Reformstaatsvertrag, KEF-Vorgaben und KI haben das Umfeld der Beschäftigten erneut nachhaltig verändert. Zeitgleich haben die Delegierten bei ihren zweitägigen Beratungen auch den Geschäftsführenden Bundesvorstand der VRFF neu gewählt.

Der Arbeitsdruck im Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk (ÖRR) ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten erheblich gestiegen, die Arbeitswelt hat sich grundlegend verändert. „Tarifpolitik ist deshalb weit mehr als die Frage nach Prozentpunkten oder Tabellenwerten“, erklärt Christian Gesch, bisheriger Vorsitzender der Bundestarifkommission (BTK) der VRFF.

Auf die zunehmenden Herausforderungen stellt sich die VRFF immer wieder neu ein, so auch auf ihrem 40. Gewerkschaftstag in Rösrath bei Köln am 15. und 16. Juni. Einige der Herausforderungen, erläuterte Gesch den Delegierten, seien die Restrukturierung der ARD, der Einsatz von KI im ÖRR und der Umgang mit dem Nachwuchs in der Medienbranche.

Mit der Restrukturierung wolle die ARD Doppelstrukturen abbauen, Synergien nutzen und mehr Effizienz schaffen. „Für die Beschäftigten bedeutet das tiefgreifende Veränderungen, Verlagerung zwischen den Anstalten und damit einhergehend auch veränderte Zuständigkeiten und mehr Druck. Dazu kommt der wachsende politische Druck von außen“, erklärt der erfahrene Tarifverhandlungsführer der VRFF. „Die VRFF vertritt hier konsequent die Interessen der Beschäftigten.“

Und KI verändere längst das Arbeitsleben im öffentlich-rechtlichen Rundfunk: Prozesse könnten damit effizienter gestaltet werden, Routineaufgaben reduziert und damit Beschäftigte entlastet werden. Doch bestehende Qualifikationen verlören dadurch auch an Wert, die Anforderungen an Beschäftigte stiegen kontinuierlich. „KI kann sogar dazu führen, dass die Arbeit jedes und jeder Einzelnen strenger als vorher kontrolliert wird“. Deshalb, so Gesch „brauchen wir Regeln für den Einsatz von KI, bevor Fakten geschaffen werden. Transparenz, Mitbestimmung, Weiterbildung und Schutzrechte müssen zentrale Themen sein.“

Eine weitere Schieflage in der Medienbranche: der im ÖRR ausgebildete Nachwuchs wird – trotz bestandener Prüfung – immer seltener direkt in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen. Dabei herrsche in etlichen Medienberufen eklatanter Fachkräftemangel. Zusätzlich erhielten die fertig Ausgebildeten immer mehr Aufgaben und zu wenig konstruktive Rückmeldung. „Befristungen, Unsicherheit und eine prekäre finanzielle Situation prägen zunehmend den Einstieg in den Beruf. Eine gefährlich Entwicklung entsteht, wenn Ausbildung nicht mehr als strategische Investition, sondern als Kostenfaktor betrachtet wird,“ kritisiert Gesch die Medienhäuser. „Denn der öffentlich-rechtliche Rundfunk braucht besonders in diesen stürmischen Zeiten gut ausgebildete und motivierte junge Journalisten, Techniker, IT-Spezialisten und Ingenieure, um eine stabile Zukunft zu haben.“

Gesch fügte hinzu: „Unter dauerhaftem Spardruck sind Verbesserungen nur möglich, weil sie konsequent und solidarisch erkämpft werden“. Für diesen Kampf hat sich die VRFF neu aufgestellt. Denn alle Aktiven der Vereinigung üben ihre Gewerkschaftstätigkeit im Ehrenamt, also in ihrer Freizeit, aus – bis hin zur Bundesspitze der Mediengewerkschaft. Die Arbeitsverdichtung und die stetig zunehmenden Veränderungen in ihrer Arbeitswelt sind daher auch für die Delegierten auf dem VRFF-Gewerkschaftstag direkt spürbar. Sie haben daher beschlossen, erstmals Doppelspitzen zuzulassen: in den Betriebsgruppenvorständen und in den Bereichen Tarifkommission, Gender, Jugend und Senioren auf Bundesebene. „Je mehr sich die Arbeitssituation der Beschäftigten verschlechtert, umso mehr sind wir als Gewerkschaft gefragt. Mit der Möglichkeit der Doppelspitze können wir die zunehmenden Aufgaben der Vorsitzenden in unseren Reihen auf mehr Schultern verteilen“, erklärt Christiana Ennemoser, Mitglied des Geschäftsführenden Bundesvorstands (GBV) der VRFF. 

An der Spitze der Mediengewerkschaft gab es auch personelle Veränderungen: Die bisherige Bundesvorsitzende Anke Ben Rejeb trat nicht mehr an. Zur neuen Bundesvorsitzenden wurde Christiana Ennemoser gewählt. Auch der Vorsitz der Bundestarifkommission wurde neu besetzt: Nach fünf intensiven Jahren an der Spitze der BTK stand auch Christian Gesch nicht mehr zur Wahl. Diese Kernaufgabe der VRFF übernehmen nun der erfahrene Tarifverhandlungsführer Peter Winne und Geschs bisheriger Stellvertreter Matthias Kopatz als Doppelspitze.